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Die moderne Erforschung Zungendiagnose in China
"The principal limitation of tongue diagnosis when compared
with pulse diagnosis is its relative lack of precision." Giovanni Maciocia in
Tongue Diagnosis in Chinese Medicine
Daß die in uralten chinesischen Büchern bereits genau beschriebenden Zeichen der Zunge
sich mit wissenschaftlichen Methoden nachweisen lassen, wurde mir während meiner
experimentellen Blutstaseforsschung klar, als ich sah, daß sich die künstlich erzeugte
Blutstase sogar in der Mikrozirkulation und Anzahl der Gefäße wiederspiegelte und sich
auch mikroskopisch nachweisen ließ.
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Bild 1: Spezialkamera mit Gestell zur standardisierten
Aufzeichnung von Zungenbildern, die gleiche Position und Lichtwerte beim photographieren
Unterschiede gewährleistet, auch den Zungengrund gleichmäßig ausleuchtet, und
Farbunterschiede durch Filmhersteller und Entwicklung mittels Standardtabelle ausgleichen
kann. Somit wird eine Standardisierung von Zungenphotographien gewährleistet.
Doch wie präzise ist der diagnostische Blick ? Das menschliche Gehirn
kann pro Sekunde mehr Eindrücke und Informationen verarbeiten, als 100 der neuesten und
besten Super-Computer. Seit es medizinische Diagnose gibt, wurde sie mit Hilfe der fünf
Sinne bewerkstelligt und die chinesische Medizin zieht -wie die westliche- heute zwar auch
MRI und CT-Bilder, hämorheologische und ultrafeine Enzymmessgeräte zu Rate, aber die
Grundlage bilden noch immer die vier Diagnoseverfahren: Inspektion, Olfaktion,
Interogation und Palpation.
Nun ist die Anamneseerhebung durch Fragen aber schon schwierig genug, da es oft auf die
Fragestellung und gezieltes Eingehen auf scheinbare Nebensächlichkeiten ankommt, doch wie
-so die Kritiker dieser Verfahren - soll denn eine korrekte Zungendiagnose durchgeführt
werden, wenn es keine exakten Standards für die Farben von Zunge und Belag gibt und auch
die Photographien je nach Lichteinfall und Lichtquelle mal so und mal so aussehen ? Und -
wie soll man dies unterrichten ? Welches Buch hat die besten Photos ? Selbst die scheinbar
so subjektive und schwierg erlernbare Pulsdiagnose läßt sich apparativ nachvollziehen.
Schon vor Jahren wurden Pulsmeßgeräte in Tokio und Shanghai gebaut, die wenn auch nur
die acht Grundpulse, aber diese doch immerhin klar bestimmen können . Gibt es denn die
Möglichkeit, die Zunge ebenso zu vermessen, und wenn ja, welchen Sinn macht es, einen
weiteren Schritt in Richtung Apparatemedizin zu tun ? Diese und andere Fragen werden im
folgenden Artikel von Prof. Dr. Zhang Bo-Li ge- und erklärt.

Erforschung der Systematisierung und Objektivierung der
TCM-Zungendiagnose
Von Prof. Dr. Zhang Bo-Li, Direktor des Institutes für medizinische Forschung und
Technologie der Universität für traditionelle chinesische Medizin Tianjin
Die Zungendiagnose stellt in der TCM den Hauptteil der observativen Diagnose dar und ist
somit notwendige Voraussetzung für die Krankheitsdiagnose und Syndromdifferenzierung. Die
reichhaltigen Erfahrungen hiermit, haben sich im Laufe der Jahrtausende summiert und
stellen noch heute einen Wertvollen Bestandteil des klinischen Alltags dar. In den letzten
Jahren wurde viel Wert auf die Erforschung der Standardisierung und Objektivierung der
Zungendiagnose gelegt, und sie sogar zu einem der oberen nationalen Forschungsziele
gemacht.
Die Zungendiagnoseforschung gliedert sich in folgende Bereiche:
Die Systematisierung der schriftlichen Informationen zur Zungendiagnose, die Untersuchung
von gesunden Probanden zur Aufstellung eines Standards, die experimentelle Erforschung der
Zungendiagnose, die Methodik der Diagnose des Zungengrundes, die Erforschung des
Zungenfarbgrades, die Untersuchung der Zungenwärme mit Infrarotmessungen, die Entwicklung
von Diagnosegeräten zur Zungendiagnose und schließlich die experimentelle und klinische
Untersuchung der Zungenveränderung bei Krankheiten.
Der ausführliche Inhalt dieser Forschungen, die zur Objektivierung und Systematisierung
der Zungendiagnose beigetragen und so deren Niveau erhöht haben, sollen hier nun im
Einzelnen dargestellt werden.

1. Die Verarbeitung von Informationen zur Zungendiagnose und ihre
Indexierung durch ein Computersystem
Wir benutzten die Systematisierung wie sie bei wissenschaftlichen Thesen angewendet wird
zur Systematisierung und Indexierung von schriftlichen Informationen über die
Zungendiagnose. Dabei wurden alle öffenlich zugänglichen Artikel von 1919 bis 1989
erfaßt, insgesamt mehr als 380 Sorten, 1400 Thesen und zusammen 750 000 Zeichen, die aus
medizinischen Zeitschriften und Berichten, Thesensammlungen von Versammlungen u.a.
stammten.
Diese wurden geordnet in Artikel über Diagnose der Zunge, Krankheiten der Zunge,
klinische Zungendiagnose, experimentelle Forschung, Akupunkur an der Zunge und sonstige,
insgesamt sechs Arten. Anschließend wurden die durch Computer erfaßt und werden ständig
ergänzt.

2. Erfassung des gesunden Zungenstatus des Menschen
Nach der Untersuchung von 6708 gesunden Probanden, die auf Zungenhaltung,
Zungenform, Zungenbelag., Zungengefäße und Unterzungengefäße mit epidemiologisch und
statistisch erfaßt wurden. Es wurden hierbei auch die Lebensgewohnheiten wie Tabak- und
Alkoholgenuß, Putzen der Zunge usw. und deren Einfluß auf die Zunge berücksichtigt.
Die meisten der Gesunden (89.33%) zeigten eine feuchtglänzende, klare und bewegliche
Zunge, die weder nach dünnen noch nach dick hin tendierte. Unter den normalen
Abweichungen fanden sich Zungen mit vermehrter Furchenbildung (6.32%) und dicke, weiche
Zungen (4.96%), sowie solche mit Zahneindrücken (4.47%).
Die Zungenfarbe der Gesunden Probanden war zu 56.75% blaßrot, und zu 24.27% rot. Davon
waren 13.58% leichtrot, 8.18% mit geröteter Spitze und 2.50% exakt rot. Eine blaßweiße
Zunge fand sich bei 6.11%, eine violette bei 12.87%. Unter den violetten waren wiederum
4.11% blaßviolett, 5.28% dunkelrot, 1.01% dunkelviolett und 2.64% exakt violett. Ferner
war die Wahrscheinlichekeit, daß gleichzeitig Staseflecken auftreten bei den violetten
Zungen um das 4.87-fache höher. Auch bei dunkelvioletter, blaßvioletter und dunkelroten
Zungen waren häufiger Staseflecken zu finden.
Die Zungenkörperbeschaffenheit wurde deutlich durch Alter und Geschlecht beinflußt: Die
Häufigkeit des Auftretens von blaßroten Zungen nahm mit zunehmendem Alter ab, während
das Auftreten einer violetten Zunge zunahm. Blaßweiße Zungen fanden sich auch gehäuft
bei jungen Frauen bis hin zum mittleren Alter, während bei jungen und mittelalten
Männern häufiger ins rote tendierende Zungen oder solche mit roter Spitze fanden, was in
Relation zu den Rauchgewohnheiten stand.
Die Zungenbeläge der Gesunden waren mit 53.59% überwiegend dünn-weiß oder
dünn-klebrig-weiß (17.92%). Dünn-gelbe Beläge fanden sich bei 7.95% und
dünn-klebrig-gelbe bei 14.13%. Andere Belagfarben nahmen insgesamt 7.63% ein. Mit
zunehmendem Lebensalter verringerte sich die Anzahl der dünnen Beläge und die Anzahl der
klebrigen Belänge nahm in genau umgekehrter Relation zu.
Auch wurde ein fixer Zusammenhang zwischen Zungenkörper und Belag festgestellt: So waren
64.43% der dünnen-weißen Beläge bei blaßroten Zungen zu finden, während sich gelbe
Zungenbeläge gehäuft bei roten Zungen fanden. Weiß-klebrige Beläge kamen am
Häufigsten bei violetten Zungenkörpern vor, und schwarze Beläge in erster Linie bei
roten und violetten Zungen.
Während der regelmäßige Genuß kleiner Mengen Alkohol sowie das Putzen der Zunge keinen
deutlichen Einfluß auf Zungenkörper und Belag hatten, spiegelte sich regelmäßiges
Rauchen und Alkoholabusus im gehäuften Auftreten von dunkelroter Zungenspitze oder Seiten
und klebrigem oder gelbbraunem Zungenbelag.

3. Experimentelle Erforschung des Zungenbildes
I. Temperatur: Die Messung der Zungentemperatur mit Halbleitertechnik bei 4387 gesunden
Probanden ergab eine Durchschnittstemperatur von 33.02±1.23ºC. Darunter hatten
männliche Probanden eine Temperatur von 33.03±1.26ºC, und weibliche von 33.00±1.18ºC.
Deutlicher zeigte sich ein Zusammenhang zwischen Temperatur und Alter: Die Temperatur
nahme bei zunehmendem Lebensalter ab.
Auch zwischen Temperatur und Zungenkörper wurde ein Zusammenhang festgestellt: Die
höchste Temperatur fand sich bei roten Zungen (33.07±1.21ºC) die niedrigste bei
blaßweißen Zungen (32.53±1.30ºC). Die Temperatur bei weißen Belägen lag über der
von schwarzen, gefolgt von klebrigen Belägenund schließlich von dünnen Belägen.
II. Pilzförmige Papillen: Mit einer runden Metallsonde wurden Anzahl und Form der
pilzförmigen Papillen eines 0.2cm2 großen Bereiches am vorderen, äußeren Zungenrand
gemessen. Bei den 1308 gesunden Probanden lag die durchschnittliche Anzahl der Papillen
bei 7.13±1.60. Mit zunehmendem Alter nahm die Anzahl der Papillen ab.
Beim gleichförmige, mittelgroße Papillen stellten die Mehrzahl der Papillen bei gesunden
Probanden (63.69%), während grobe und große Pappillen vorwiegend in Kindern auftraten.
Hingegen fanden sich in der Hälfte der älteren Probanden geschrumpfte Papillen.
Die größte Anzahl von Papillen fand sich bei roten Zungen (7.27±1.73), außerdem waren
dort die meisten groben oder großen Papillen zu finden. Die geringste Anzahl hingegen
fand sich bei blaßweißen Zungen (6.68±1.62), die auch die größte Anzahl an
abgeflachten, kleinen und dünnen Papillen aufwiesen. Violette Zungenkörper hatten eine
besonders hohe Anzahl an geschrumpften Papillen.
III. Durchblutung: Mit Hilfe eines Laser-Doppler-Gerätes wurde die
Gewebsdurchblutung an der Zungenoberfläche gemessen. Die durchschnittliche
Durchblutungsmenge bei 3032 gesunden Probanden war 4.74±0.50, bei Männers geringfügig
höher als bei Frauen. Mit zunehmendem Lebensalter nahm der Durchfluß in Realtion zum
Alter ab.
Die höchsten Werte unter den Typen der Zungenschaffenheit war bei der blaßroten Zunge zu
finden(4.95±0.93); die violette Zunge hatte die niedrigsten Werte mit 3.96±0.44. Unter
den roten Zungentypen lag die Durchblutung bei roterer Färbung entsprechend höher, je
mehr die Zunge zu rot tendierte. Umgekehrt spiegelte die zunehmende Tiefe der violetten
Zunge das Abnehmen der Durchblutung wieder.
IV. Hämatologische und hämorheologische Aspekte: Bei der blaßweißen Zunge besteht eine
Abnahme von Fibrinogen und eine Zunahme der BSG. Die Die Gesamtblutviskosität nahm hier
under hohen Shear-Rates zu. Bei der roten Zunge waren Hämatokrit, Plasmaviskosität und
bei niedrigen Shear-Rates die Gesamtblutviskosität erhöht. Bei der violetten Zunge kamen
viele rheologisch abnormale Werte vor, so war die Erythrozytenaggregation erhöht, die
Erythrozytenverformbarkeit verringert, die Blutviskosität erhöht. Dagegen war abnormale
Werte beim Blutfluß in der blaßroten Zunge am geringsten zu finden, die wenigen Werte
außerhalb des Normalbereichs waren nur leicht verändert.
V. PH-Wert der Zungenoberfläche: Gemessen wurde durch ein Tupfverfahren mit der
hochfeinem PH-Papier (Industristandard). Bei den 6691 gesunden Probanden dieser
Versuchsreihe lag der Durchschnittliche Wert der Wasserstoffionenpotenz bei 6.84±0.40,
also leicht im sauren Bereich. Bei männlichen Probanden war der Durchschnitt 6.79±0.36,
bei den weiblichen 6.88±0.44. Die Werte tendierten mehr zum alkalischen Bereich hin, je
jünger, und zum sauren je älter die Probanden waren.
Bei Jugendlichen unter 20 Jahren lag der PH sogar bei 7.13±0.44, also im alkalischen
Bereich.
Die Zungenbeschaffenheit wurde ebenfalls im PH-Wert gestaffelt wiedergespiegelt: Die
höchsten Werte waren bei der blaßweißen Zunge am höchsten, gefolgt von niederen
(saurerern) Werten bei blaßroter Zunge, dann roter Zunge, und am tiefsten bei der
violetten Zunge die jeweils saurere Werte indizierte je tiefer die Violettfärbung war.
Unter den Belägen wiesen der schwarze Zungenbelag und der dick-klebrige Belag die
niedrigsten PH-Werte auf.
VI. Mikroflora: Beim Gesunden existieren verschiedene Arten von
Bakterien auf der Zungenoberfläche, die bei Krankheit von anderen Gattungen verdrängt
werden. Hohe Anteile bei Gesunden hatten Kokkenstämme. Hämolytische alpha-Streptokokken,
S.viridans und Tetrakokken, sowie p-Staphylokokken und gelbe Pharyngokokken (Diplokokkos flavus). Den höchsten Anteil hatten die
Katakokken mit 72.40%. Bei allen Belägen kamen hämolytische alpha-Streptokokken mit den
höchsten Anteilen vor. Beim klebrigen Zungebelag waren vermehrt gelbe Pharyngokokken zu
finden.

4. Sublinguale Diagnoseforschung
Durch die systematische klinische Observation und die
statistische Erfassung großer Patientenmengen mit epidemiologischen Methoden entstand die
Sublingualdiagnose, einschl. der Oberservation von Gefäßen des Unterzungenraums, sowie
Blutstaseflecken und -punkte, die die normale Zungendiagnose wertvoll ergänzt und
besonders in der Pathologie deutliche Hinweise gibt.
Besipiel: Tabelle des Standardfragebogens des Institutes
für medizinische Forschung und Technologie der Universität für tradtionelle chinesische
Medizin Tianjin mit Zungen- und Unterzungendiagnose:
| |
Beschaffenheit |
normal, dick, steif,
Zahnabdrücke, Furchen (seicht, mittel, tief), Zittern, Schrägstellung |
Zunge |
Zungenkörper
Farbe |
weiß-blaß, leicht blaß,
blaßrot, rot, dunkelrot, tiefrot, blaßviolett, violett, dunkelviolett, tiefviolett,
zyanotisch, Seiten rot, Spitze rot, |
| |
Staseflecken |
Staseflecken ( seitlich, Mitte, an
Spitze, sublingual, verteilt ) |
Oben |
Beschaffenheit
Zungenbelag |
dünn, dünn-klebrig, klebrig,
dick-klebrig, schlüpfrig, trocken, tofuartig, Spiegelzunge, Landkartenzunge, belaglose
Stellen, abwesend |
| |
Farbe |
weiß, grauweiß, weiß-gelb,
gelb, dunkelgelb, gelb-braun, braun-grau, grau-schwarz, schwarz, verbrannt, verfärbt,
andere: |
Zun- ge |
Form Vv.subling. Stamm |
unverzweigt, doppelt verzweigt,
mehrfach verzweigt, weit verteilt gekrümmt, verdickt, unterbrochen |
| |
Länge Vv.subling. |
Über die Spitze des Frenulums
hinausgehend: Ja Nein |
Unten |
Form Vv.subling. |
undeutlich, wurzelwärts verdickt
oben fein, verdickt und leicht gekrümmt, deutlich verdickt und gekrümmt |
| |
Farbe Vv.subling. |
blaßblau, blaßrot, rotviolett,
cynatotisch violett, schwarz-violett |
Ader-
länge |
0º |
Keine, oder keine überlangen Venen |
Keine Stasepunkte oder Staseflecken |
und Stase- |
Iº |
Kleine Vv. verlängert bis ins Außenfeld |
unter drei Stasepunkten |
Zei- chen |
IIº |
Kl. Vv. verdickt u. gewunden bis ins
Außenfeld |
unter 10 Stasepunkte/einzelne Staseflecken |
(Grad) |
IIIº |
Kl. Vv. deutlich verdickt, seilartig gewunden
bis ins Außenfeld |
dichte Stasepunkte/ viele Staseflecken |
Beim Gesunden findet man meist zwei undeutlich erkennbare
einstämmige Sublingualvenen von blaßblauer Farbe. Die Die Länge und Farbe der
Venenstämme, ihre Form und Füllung (Prallheit) spiegeln sich deulich im Lebensalter
wieder: Die Sublingualvenen verdicken und vergrößern sich und bilden mehr Seitenäste.
Die Beschaffenheit der Zungenoberfläche zeigte auch Zusammenhänge mit der
Unterzungen- beschaffenheit: Bei der blaßroten und blaßweißen Zunge war die
Sublingualbeschaffenheit zum größten Teil normal, während bei sich die deutlichsten
Veränderungen bei der violetten Zunge zeigten.
Beim Gesunden finden sich gewöhnlich keinerlei Blutstasezeichen oder vermehrte
Venolenbildungen. Daher fanden sich unter Gesunden Probanden 97.46% mit Nullgradigen
Veränderungen (Siehe Tabelle unter 0º), ein Grad-Veränderungen 96.65%, während zwei
und dreigradige Veränderungen (2º und 3º) nur bei 2.54% und 3.35% der Gesunden zu
finden waren. Letztere traten auch norwiegend nur bei über 40 Jahre alten Personen
vermehrt auf und erreichte Spitzenwerte bei den über Sechzigjährigen.
Bei allen Varianten der weißen und roten Zugne wiesen die Aderung, sowie Auftreten von
Staseflecken und -punkte ähnliche Werte auf, hingegen traten diese umgekehrt bei
violetten Zungen sehr deutlich gehäuft auf, was sich auch mit den Spitzenwerten von zwei
und dreigradigen Veränderungen deckt.
Unter den klinisch observierten pathologische Veränderungen waren besonders oft
Veränderungen der deutlichen Abzeichnung der Sublingualvenen, Venenverzweigungen,
Blutstasepunkte und -flecken zu finden. In der Systematisierung mit den TCM-Syndromen
fanden sich pathologische Veränderungen am meisten beim "Nieren-Leere mit
Blutstase-Syndrom", was u.U. eine altersbedingte Nierenleere und Blutstase
wiederspiegeln könnte.
Außerdem wurden direkte Zusammenhänge mit der diagnostischen Cilliararterioskopie,
dem Blutfettspiegel, Blutdruck, Blutfluß und Blutviskosität, sowie mit der
Mikrozirkulation festgestellt. Nach der Auswertung bei Patienten mit Krankheiten der
Zerebral- und Koronargefäße ergab sich, das die Sublingualdiagnose sich besonders hier
als wertvolles diagnostisches Instrument erweist.

5. Erforschung der Zungenfarbwertmessung
Bei der Farbskalenforschung wird die Farbwahrnehmung de menschlischen
Auges systematisiert und durch theoretische und Wissenschaftstechnologie aufgeschlüsselt.
Wir benutzten hierbei einen automatischen Farbspektoanalysator nach internationalem
Standard (CIE) der die Zungenfarbe bei 507 gesunden Probanden erfaßte und analysierte.
Hierbei wurden die Farben nach den drei Grundfarben dreidimensional in die Werte X (rot),
Y (grün) und Z (blau) zerlegt und informatisch ausgewertet.
Die Analyse der blaßroten Zunge ergab die drei Durchschnittswerte X=19.02±1.99,
Y=17.92±1.46 und Z=17.74±2.25. Die X-Werte (rot) der blaßroten, blaßweißen und
blaßvioletten Zungen waren besonders niedrig, während die Z-Werte (blau) eher hoch
waren. Unter diesen wieder ergaben sich deutliche Unterschiede des Y-Wertes. Alle drei
Werte warem bei der roten Zunge niedriger als bei der blaßroten, nur die dunkelroten und
dunkelvioletten Zungen waren noch niedriger. (
)

6. Die Untersuchung der Zunge mit Infrarotmessungen
Die Zunge ist wie die inneren Organe ein wärmeabstrahlender Körper.
Die Messung ihrer Temperatur mit Thermometern kann jedoch nicht die abgestrahlte
Gesamtwärme zugrundelegen, sondern nur lokale Werte darstellen, die teils auch durch die
Eigentemperatur des Thermometers verändert werden. Im Jahre 1986 war unser Institut das
erste, das aus diesem Grunde Infrarotgesamtmessungen der Zunge vornahm. Selbst bei den
damals nur 280 Patienten ergab sich eine meßbare Wärmeabstrahlung von mehr als 99%. Die
durchschnittliche Zungentemperatur lag bei 33.46 ±1.05ºC, mit höheren Temperaturen an
der Zungenwurzel, danach an den Seiten, und den niedrigsten Werten an der Zungenspitze.
Weitere Forschungen seither zeigten die Einflüsse des Lebensalters: Bei Probanden
über dem 40. Lebensjahr war die höchsten Temperaturen zu finden, die über dem Wert von
älteren und jungen Personen lag. Zwischen beiden Geschlechtern wurden keine deutlichen
Temperaturunterschiede festgestellt.
Bei der Zungenbeschaffenheit jedoch zeigt sich folgendes: rote Zungen waren am
wärmsten, danach dunkelrote Zungen, gefolgt von violette Zungen und schließlich
blaßweißen Zungen, die tiefste Temperatur war bei blaßroten Zungen zu finden. Beim
Belag zeigte sich, daß der klebrige Belag die höchsten Werte hatte und die dünnen
Beläge geringfügig niedrig waren, jedoch im Rahmen des Abweichungsrahmens blieben.
Bei Erkrankten waren deutliche Abweichungen aller Art zu finden: Bei Patienten mit
Koronaren Herzkrankheiten und einem Qi-Leere mit Blutstase Syndrom, war die Temperatur der
Zungenspitze deutlich verringert. Bei Patienten mit chronischer Gastritis und Yin-Leere
Syndrom war die die Temperatur der Zungenmitte deutlich erhöht, was sich auch mit den
Aussagen der TCM "die Zungenspitze zeigt das Herz an" und "die Zungenmittte
zeigt Milz und Magen an" deckt.
7. Verschiedene Geräte zu Erforschung der
Zungendiagnose (Gekürzt)
Unser Institut verwendet heutzutage folgende Geräte: Ein Farbspektoanalysator nach
internationalem Standard (CIE) , ein Gerät zur Messung der Zungenfeuchtigkeit und eine
Spezialkamera mit Gestell zur standardisierten Aufzeichnung von Zungenbildern, die gleiche
Position und Lichtwerte beim photographieren Unterschiede gewährleistet und
Farbunterschiede durch Filmhersteller und Entwicklung mittels Standardtabelle ausgleichen
kann.
SCHLUSSWORT
Die oben dargestellten Ergebnisse zur Systematisierung und Objektivierung der
TCM-Zungendiagnose zeigen den heutigen Stand dieses Bereiches, der durch experimentelle
und klinische Forschung nicht nur wissenschaftlich die Richtigkeit der Zungendiagnose
bestätigt, sondern deren Niveau noch weiter hebt, so daß uns nun weitere Möglichkeiten
zur Erfassung und Verifizierung dieser Daten zur Verfügung stehen und ein Erlernen der
Zungendiagnose durch die Standardisierung erleichtert wird. Sie zeigt aber auch, daß die
Zungendiagnose mit dem Auge des Therapeuten ein unersetzbares Mittel zum Diagnose und
Voraussetzung zur Behandlung mit chinesicher Medizin ist, in der sie einen festen und
unverrückbaren Platz hat.
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Bild 2:Mikroskopischer Schnitt (200x) durch die Zungenoberhaut bei normalen
(oben) und Hasen mit Blutstasesyndrom (unten). Man erkennt eine Verringerung der Gefäße,
Hämorrhagien und eine Vermehrung von Blutakkumulationen.
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