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Eine Langnase lernt TCM in China: Zehn Jahre und kein bischen weiser ? Lohnt sich eine Ausbildung in China ? Muß man Chinesisch oder Pulsdiagnose beherrschen? Wie mystisch ist die TCM ? Ist das alles nur Geldmacherei ? Wo und wie lange sollte man lernen ? Ist ein Hermaphrodit Yin oder Yang ? Um diese und andere brennenden Fragen geht es in diesem Essay. (Achtung: Dieses Essay wurde teilweise in emotionaler Aufwallung geschrieben)
Ob Sie es glauben oder nicht, diese beiden Standpunkte geben nicht nur die zwei Grundhaltungen von Westlern beim Erlernen der TCM in China wieder, sondern auch ich habe beide Standpunkte schon mit Inbrunst geteilt und verteidigt. Wer lange genug hier war, (meist genügen schon wenige Monate) wird zuerst aus Toleranz und/oder Naivität dem Land und all seinen Bewohnern einen großen Vertrauenskredit und Freundlichkeits- vorschuß geben und dann mit zunehmender Frustration und Paranoia (und Heimweh?) zur anderen Meinung übergehen. Was lernen wir daraus ? Es kommt darauf an. (Zitat: Michael H.) Einiges an den obenstehenden Ansichten würde ich so stehen lassen, anderes aber nicht: Ja, besteht eine "Culture Gap" die es einem schwer macht, zu verstehen was in dem Lande und seinen Menschen vorgeht, diese besteht aber in beide Richtunge. Die Chinesen wissen auch nicht so genau, was man von ihnen erwartet. Die Mißverständnisse sind oft gegenseitig, da hilft auch kein Warten auf die nie kommende Besserung. Beschweren hilft allerdings meist wirklich nur dann, wenn der "Anlamentierte" auch die Autorität hat, den Zustand zu ändern. Meist gilt aber die Regel: "Der fremde Hund bellt den heimischen Mond an." (Nein- kein antikes Sprichwort, ist von mir...) Ja, die Pulsdiagnose wird in den heutigen Krankenhäusern der TCM wirklich nur sehr oberflächlich praktiziert und die Zungendiagnose nur von einigen wenigen gründlich genug. Man ist insgeheim der Meinung, daß die moderen Diagnosemethoden der Schulmedizin dieses Manko durch ihre diagnostischen Informationen wett machen können. In Taiwan hingegen, werden beide Diagnosearten (zumindest von den meisten Aerzten mit eigener Praxis) noch gründlich gepflegt. Ja,die traditionellen Aerzte mit Familienüberlieferung sind in beiden Chinas gleich geheimniskrämerisch und rücken ihre geheimen Nadelmethoden und Rezepturen kaum heraus. Andererseits hat aber ein Ausländer den Vorteil daß er "sowieso nichts damit anfangen kann und auch nicht an Chinesen weitergibt" und einen solchen Schüler zu haben hebt das Prestige und gibt Gesicht (was das gleiche ist), das ist man schon öfter etwas großzügiger mit seinen Geheimnissen... Ja, die "TCM-Krankenhausfabriken" im neuen China sind wirklich ziemlich aufs Geld aus, wie eigentlich alle in großen Städten, einschließlich den Geschäftsleuten, Straßenhändlern, Taxifahrern, Marktverkäufern etc. etc. Die Neo-Kapitalismus ist zum Glück noch nicht bis ins Hinterland und in kleinere Städte vorgedrungen, aber im Süden (Kanton, Hong Kong, Fukien) ist es umso schlimmer. Es gilt daß Motto: "Bi-zi gao - jia-qian gao!" (Nase groß - Preis groß). Was zugegeben oft frustrierend ist. Die Patienten werden auch oft nur sehr oberflächlich behandelt, ABER: Es gibt unter den vielen "Fabrikärzten überall einige wirkliche Könner - von denen man an Wissen und Techniken lernen kann, was sie auch gerne weitergeben. Das Hauptproblem ist es, diese Leute zu finden, da jeder von sich behauptet, der Gelbe vom TCM-Ei zu sein. "Mai gua schuo gua xiang" (Wer Melonen als duftend anpreist, will Melonen verkaufen) ist die Abwandlung eines alten Sprichwortes. Fragen Sie also nicht das Krankenhaus in dem Sie praktizieren, ob es gut ist. In Sichuan begründete man einst den hohen Preis damit, die beste Uni in China zu sein. Wer kann so etwas beurteilen ? Niemand. Fragen sie lieber nicht-medizinische Bekannte, welchen Arzt sie für gut halten. Sie können auch fragen, wer berühmt ist, aber vorsicht- das kann auch schiefgehen... Nein, sie verletzen keine kulturellen Tabus oder stehlen Geheimnise wenn sie nachfragen, gründlich nachfragen, und noch gründlicher NACHFRAGEN. Tun Sie's: Erstens haben Langnasen im stellen von dummen Fragen absolute Narrenfreiheit (und auch in vielem anderen), und zweitens wollen Sie doch was lernen in China, oder ? Wenn ein klinischer Arzt seine Technik nicht gut theoretisch erklären kann, muß diese allerdings nicht unbedingt schlecht sein, er ist nur ein schlechter Lehrer. An der Uni hingegen disqualifiziert sich ein Dozent damit, daß er ihre Frage nicht beantworten kann (Außer, sie fragen: Was ist Qi? Ist ein Hermaphrodit Yin oder Yang, und ähnliche Fragen..). Nein, man muß KEIN Chinesisch können, um chinesische Medizin zu lernen (auch wenn das sonstwer behauptet). Es hilft allerdings, den Lernprozeß zu beschleunigen und die menschliche Seite des Landes besser zu verstehen. Auch muß man kein Künstler sein, oder spirituell-mystisch veranlagt (es sei denn, sie können Gedanken lesen, aber das hilft eigentlich überall gleich gut): Es ist hingegegen eines der größten Mysterien Chinas, wie ein Volk gleichzeitig SO abergläubig und doch SO pragmatisch sein kann. Fragen sie mich mal, ich weiß es nicht. Fest steht jedenfalls, daß alle Luftballon- Theorien und Hohle-Bauch Hypothesen in alten China ganz schnell ignoriert wurden und in der Versenkung verschwanden, wenn sie nicht irgendeinen (wenn auch geistigen) Nährwert hatten. Soweit zum Pragmatismus. Andererseits enthielt die traditionelle Medizin noch bis vor einigen Dekaden (in Taiwan, Hong Kong, Singapur und auf dem Lande in der VR auch noch heute) ungeheuer viel geheimnisvoll-mystisches Brimborium, das auch nicht völlig aus der Luft gegeriffen sein mag, wie z.B. die Qi-Gong Forschung zeigt. ABER - wir wollen doch Chinas Medizin erlernen, nicht seine Channeling-Techniken und Yi-Jing Weissagemethoden (hängt alles zusammen, würde Chen Li-Fu sagen). Lassen wir also das Kind in der Badewanne und geben zu, daß es "mehr gibt, als was das nackte Auge sieht", aber auch daß wir nun mal heute bloß unsere Augen mitgebracht haben, und mit deren Hilfe etwas über Therapietechniken lernen wollen. Nein, man kann nicht nur von unseren Pionieren der TCM sei es in Deutschland, England oder USA etwas lernen, sondern auch von den (wie gesagt - wenigen richtig guten) Ärzten in China, die zumindest seltener in ihrer Denkweise irrlaufen und abstruse neue Theorien der TCM aufstellen, weil (die Reaktion in China wäre: "ein Spinner mit der gleichen Idee hatten wir schon 814, 1353 und im letzten Jahrhundert") -- ja vielleicht weil sie ihrer eigenen Kultur gegenüber weniger phantasievoll sind, als wir Westler. Wenn Sie nach einigen Experimenten mit Dozenten und /oder Klinikern eine solche Perle gefunden haben- bleiben sie dran! Es gibt nicht übermäßig viele (wie auch bei uns), aber diese haben wirklich was drauf! Andererseits kann ich nur warnen, vor selbsternannten Qi-Gong Meistern (Siehe dazu auch Yuan Chus Motzereien, der und muß es ja wissen, er ist ja schließlich auch ein selbsternannter Meister), kommerziellen Wunderarzneien und dergleichen, da hätte Edurad Zimmermann wahrlich etwas zu berichten. Kompetenz zeigt sich in Taten. Wenn einer nichts außer Worten zu verkaufen hat, bleiben Sie fern (es sei denn, sie wollen ein Wörterbuch erstellen). Naja, Der Unterricht an den Unis ist allerdings wirklich sehr durchwachsen und vom Glück abhängig. Nur so viel: Wirklich gute, klinisch versierte Dozenten, die gut erklären können (und dazu noch in Englisch) sind in China genauso dünn gestreut wie bei uns. Sie sollten sich lieber zwischen Theorie und Praxis entscheiden, oder mehrere Wege gehen um Ihr Wissen zu ergattern. Lieber einem guten Praktiker in der Klink auf die Finger schauen und sich den theoretischen Hintergrund von einem guten Erklärer an der Uni vermitteln lassen. Ein klares Jain zur Frage, ob die Pulsdiagnose beherrscht werden muß: Die vielen neuen Diagnosetechniken aus der westlichen Medizin, lassen diese Methode etwas in den Hintergrund treten (auch deshalb, weil zeitaufwendiger ist). Doch ebenso wie die Erfindung des CT und der Kernspintomographie das Röntgenverfahren nicht überflüssig macht, so machen neue Diagnoseverfahren die anderen traditionellen chinesischen nicht überflüssig. Man kann zwar auch ohne sie auskommen, aber wenn man ein "Mehr" an Informationen hat, ist es doch noch besser, oder ? Die "Erfindung" der westlichen Medizin, und ihre Einführung in China hat, wie man sieht, die TCM ja auch nicht überflüssig gemacht. Und wer im Moment die besten Ergebnisse erzielt, ist die "Integrierte Westliche und Chinesische Medizin", die wahlweise oder gleichzeitig beide Diagnose- und Therapieformen anwendet. Zu guter Letzt will ich noch etwas dazu sagen, was Sie sicher schon immer gerne wissen wollten (sonst hätten sie diesen Artikel nicht bis hierher gelesen): Lohnt sich eine Ausbildung/Studium/Praktikum in China für mich, und wenn ja wie lange und was kostet sie ? Antwort: Auch das kommt darauf an! 1. Wenn sie eine Prestigeaufbesserung wollen und ein nettes Zertifikat für an die Praxiswand, machen sie einen dreiwöchigen Urlaub in China und nebenbei eine Kurzausbildung an den Unis oder Kliniken (Adressen hier: Adressen). Das sollte nicht mehr als den Flug, die Unterkunft und 400-500 US-Dollar an Gebühren kosten. Das natürlich jeder Kollege der einen VIER-wöchigen Urlaub gemacht hat auf Sie herabsehen wird, brauche ich wohl nicht zu betonen, oder ? (Sagen sie aber bloß keinem, das ich das geraten habe) 2. Wenn Sie Akupunktur oder sogar TCM richtig lernen wollen, lernen Sie die graue Theorie zuhause. Es gibt dort viele gute Ausbilder und Ausbildungsstätten (siehe Artikel Ausbildungsstätten, aber fragen Sie nicht, welche gut ist, ich WEISS ES NICHT! ). Wenn Sie dann ein gutes Fundament und auch etwas Erfahrung im nadeln haben, gehen Sie dann mit der Gruppe (ist meist auch im Angebot der Ausbildung enthalten) nach China und zwar oft! Es kostet ca. 3000-6000 DM je nach Anbieter. Überlegen Sie sich vorher, was sie lernen wollen. Wenn sie es beim ersten Mal nicht erhalten, gehen Sie beim zweiten Mal woanders hin. 3. Wenn Sie so richtig Feuer gefangen haben (TCM - Liebe auf den ersten diagnostischen Blick), dann gibt es kein Heilmittel: Legen Sie etwas Geld- und stellen sie etwas Zeit bereit (oder umgekehrt) und kommen Sie für zwei Monate, besser ein Jahr, noch besser 10 Jahre (Merken Sie's: Ich will Melonen verkaufen...) nach China, alleine oder in einer klitzekleinen Gruppe, die das gleiche Interessensgebiet hat. Schreiben Sie vorher an die Unis oder Kliniken (Adressen hier: Adressen), sagen Sie genau was Sie lernen wollen (aber Vorsicht bei der Antwort: die wollen auch Melonen verkaufen). Die Kosten für ca. 1 Jahr sind ca. 2000-3000 USD, plus Wohn- und andere Lebenskosten, die in China niedriger sind als bei uns. 4. Wenn Sie ein ganzes Jahr Zeit haben, und viel Interesse an der wirklich traditionellen Art und Weise, ihr Englisch gut ist und sie immer etwas Glück haben, versuchen sie einen praktischen TCM-Arzt in Taiwan zu finden der dort eine Praxis hat und bereit ist, sie dort arbeiten zu lassen. Sie können dort eine Unmenge lernen, da die Situation mehr der unsrigen entspricht und die Traditionen in Taiwan noch bestehen, ABER - erwarten Sie ja nicht, daß er sie in den ersten sechs Monaten seine Privatpatienten nadeln läßt! Dennoch: ein Jahr und Sie sehen die TCM/Akupunktur mit anderen Augen! Soweit alles, was ich hinsichtlich der obigen Fragen raten oder abraten kann. Bleibt nur noch eine Frage unbeantwortet: Ist der Hermaphrodit nun Yin oder Yang. Diese Frage, kann man wie alle Fragen, die mit "....Yin oder Yang ?" aufhören, auf die gleiche Weise beantworten, nämlich mit: ES KOMMT DARAUF AN.... G.N. |
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